Freie Wege, rutschhemmende Böden, gutes Licht und sichere Abläufe in Bad und Küche senken das Sturzrisiko für Menschen mit Demenz zu Hause. Sehen Sie sich die Wohnung aus Sicht der Person an: Welche Wege geht sie oft? Was übersieht sie nachts? Welche Geräte kann sie noch selbst bedienen?
Passen Sie die Wohnung an, lassen Sie aber Vertrautes stehen, wenn es möglich ist. Zu viele neue Markierungen oder Einschränkungen können verunsichern. Beobachten Sie die Reaktion auf Veränderungen und holen Sie bei wiederholten Stürzen oder konkreten Gefahren fachlichen Rat ein.
Sturzrisiken in der Wohnung erkennen
Besonders kritisch sind lose Teppiche, Kabel und Gegenstände auf dem Boden. Auch Schwellen, glatte Flächen und schlecht sitzende Schuhe können Stürze begünstigen. Nachts steigt das Risiko, wenn der Weg zur Toilette dunkel ist oder die Person auf Socken über einen glatten Boden geht.
Bei Demenz können Muster, Schatten und Entfernungen schwerer einzuordnen sein. Ein stark gemusterter oder spiegelnder Boden kann verwirren; dunkle Flächen wirken für manche Menschen wie ein Loch. Achten Sie deshalb nicht allein auf die Farbe, sondern darauf, ob Boden, Wand und wichtige Gegenstände gut voneinander zu unterscheiden sind.
Auch gesundheitliche Probleme erhöhen das Sturzrisiko. Dazu zählen Sehstörungen, Schwindel und Muskelschwäche. Bestimmte Medikamente können das Risiko ebenfalls erhöhen. Nach einem Sturz oder bei zunehmender Gangunsicherheit sollte ärztlich geklärt werden, ob neben der Wohnung auch solche Faktoren berücksichtigt werden müssen.
Laufwege und Treppen freihalten
Räumen Sie die Wege frei, die die Person täglich nutzt, besonders den Weg zwischen Bett und Bad sowie den Durchgang zur Küche. Entfernen Sie lose Läufer oder befestigen Sie sie rutschfest. Kabel gehören aus dem Laufbereich; ein Kabelkanal kann sie an der Wand oder am Bodenrand führen. Lassen sich Schwellen nicht beseitigen, sollten sie gut erkennbar sein und keine Stolperkante bilden.
Prüfen Sie den Boden bei gutem Licht und bei Nacht. Ein wenig gemusterter, griffiger Boden lässt sich leichter einschätzen als ein glänzender oder stark kontrastreicher Boden. Veränderungen sollten Sie zunächst an einer Stelle ausprobieren. Wenn die Person dort zögert, ausweicht oder den Boden falsch deutet, passt die Lösung möglicherweise nicht zu ihrer Wahrnehmung.
Bei Treppen helfen stabile Handläufe, bei Bedarf auf beiden Seiten. Stufen müssen klar erkennbar sein. Stellen Sie keine Gegenstände auf Treppen oder Podeste, auch nicht vorübergehend. Wenn Treppen zunehmend unsicher werden, besprechen Sie mit einer Fachperson, welche Anpassung zur Beweglichkeit und zur Wohnsituation passt.
Das Bad sicherer machen
Im Bad ist der Boden oft glatt und der Platz eng. Außerdem muss die Person häufig zwischen Sitzen und Stehen wechseln. Eine rutschhemmende Duschfläche und ein sicher befestigter Haltegriff können den Einstieg und das Aufstehen erleichtern. Bringen Sie Griffe dort an, wo die Person sie tatsächlich erreicht und beim jeweiligen Bewegungsablauf braucht. Ein stabiler Duschsitz kann helfen, wenn längeres Stehen unsicher ist.
Eine bodengleiche Dusche erleichtert den Zugang, erfordert aber oft einen Umbau. Planen Sie solche Veränderungen möglichst vorausschauend und erklären Sie sie Schritt für Schritt. Eine vertraute Anordnung im Bad kann Orientierung geben; stellen Sie Pflegeprodukte daher übersichtlich und an gewohnten Plätzen bereit.
Thermostatarmaturen oder eine Begrenzung der Wassertemperatur senken das Risiko von Verbrühungen. Wenn die Person Toilette oder Waschbecken schlecht erkennt, kann ein klarer Farbkontrast helfen, etwa zwischen Toilettenbrille und Keramik. Achten Sie darauf, dass Haltegriffe, Sitz und Markierungen nicht spiegeln oder mit anderen Gegenständen verwechselt werden.
Licht und Orientierung verbessern
Sorgen Sie für gleichmäßiges Licht in Fluren, Zimmerecken und auf dem nächtlichen Weg zur Toilette. Schatten und blendende Lampen erschweren die Orientierung. Nachtlichter oder eine Beleuchtung mit Bewegungsmelder machen den Weg sichtbar, ohne dass die Person im Dunkeln nach einem Schalter suchen muss.
Machen Sie Lichtschalter bei Bedarf gut sichtbar. Ein Bild oder ein verständliches Zeichen an der Badezimmertür kann die Orientierung unterstützen. Achten Sie darauf, ob Spiegel oder glänzende Flächen die Person beunruhigen. Wenn sie darin eine fremde Person zu sehen glaubt, kann es helfen, die Fläche testweise abzudecken.
Halten Sie die vertraute Ordnung möglichst bei. Eine neue Lampe oder ein Türzeichen sollte die Orientierung erleichtern, ohne dass dafür mehrere Möbel oder Gegenstände gleichzeitig umgestellt werden.
Herd und Küche absichern
Beobachten Sie, welche Küchentätigkeiten noch sicher gelingen. Wenn die Person gern kocht oder den Tisch deckt, können vertraute Abläufe Selbstständigkeit erhalten. Halten Sie häufig genutzte, ungefährliche Dinge erreichbar und die Arbeitsfläche übersichtlich. Medikamente, Reinigungsmittel, scharfe Messer und Spültabs sollten sicher verwahrt sein.
Wiederholt angelassene Herdplatten oder Schwierigkeiten mit vertrauten Geräten sind konkrete Warnzeichen. Für Elektroherde gibt es Herdsicherungen, die nach einer eingestellten Zeit oder bei Überhitzung abschalten. Welche Lösung passt, hängt vom Herd und von der Nutzung ab. Lassen Sie sich dazu fachlich beraten. Bei Gasherden ist eine geeignete Sicherung besonders sorgfältig zu prüfen. Änderungen am Anschluss oder Abklemmen des Herdes gehören in die Hände von Fachleuten.
Ein Rauchmelder ergänzt den Schutz; Betreuung bleibt nötig, damit im Brandfall jemand den Alarm wahrnimmt und reagiert. Wenn die Person den Herd wiederholt vergisst, prüfen Sie deshalb auch, ob die bisherige Unterstützung in der Küche noch ausreicht.
Unruhe und Weggehen begleiten
Hin-und-her-Laufen kann mit Bewegungsdrang oder der Suche nach einem vertrauten Ort zusammenhängen. Suchen Sie nach einem möglichen Auslöser, etwa Schmerzen, Harndrang, Hunger oder einer ungewohnten Situation. Ein gemeinsamer Spaziergang oder eine vertraute Tätigkeit kann besser helfen als eine Aufforderung, still sitzen zu bleiben. Halten Sie Laufwege frei, wenn die Person regelmäßig durch die Wohnung geht.
Wenn jemand die Wohnung verlässt und sich verirrt, helfen gut erkennbare Ausgänge und sichere Bewegungsmöglichkeiten. Ein Klangsignal an der Tür oder ein Türsensor kann auf das Öffnen aufmerksam machen. Ein Schild oder Bild kann die Orientierung unterstützen, sofern es die Person nicht zusätzlich verwirrt. Beziehen Sie vertraute Nachbarn ein und halten Sie ein aktuelles Foto bereit; ein Armband oder eine Kette mit einer Telefonnummer kann die Kontaktaufnahme erleichtern. Signale und Ortungsgeräte bieten jedoch keine Garantie, dass die Person rechtzeitig gefunden oder geschützt wird.
Sperren Sie die Person nicht vorschnell ein. Eine solche Einschränkung kann Angst oder Unruhe verstärken und die Bewegungsfreiheit stark beeinträchtigen. Prüfen Sie zuerst, ob Orientierung, Beleuchtung und Begleitung verbessert werden können. Wählen Sie technische Hilfen so, dass sie zur Situation passen, und beobachten Sie, ob sie die Person beruhigen oder verunsichern.
Die Wohnung Schritt für Schritt prüfen
Gehen Sie einmal die üblichen Wege gemeinsam ab, wenn das möglich ist: vom Bett zur Toilette, durch den Flur und in die Küche. Prüfen Sie dabei, ob etwas im Weg liegt, der Boden rutschig oder schwer erkennbar ist und der Weg nachts ausreichend beleuchtet wird. Im Bad sollten Sie beobachten, ob die Person sicher ein- und aussteigen, sich setzen und festhalten kann. In der Küche zählt, ob Herd und Wasserhahn zuverlässig bedient werden.
Ändern Sie zunächst die Stellen, an denen konkrete Gefahren auftreten. Beobachten Sie anschließend, ob die Maßnahme den Alltag erleichtert. Wenn die Person nach einem Sturz mehrfach beinahe wieder stürzt oder Geräte vergisst, sprechen Sie mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt sowie mit Pflegefachpersonen. Eine feste Zahl von Vorfällen, ab der jemand nicht mehr allein bleiben kann, gibt es nicht. Entscheidend sind die konkreten Risiken und die verfügbare Unterstützung.