Wer im Alter günstiger wohnen möchte, sollte Miete, Heiz- und Betriebskosten sowie die Wege im Alltag prüfen. Eine günstige Wohnung wird im Alltag zur Belastung, wenn Arztpraxis, Einkaufsmöglichkeiten oder Haltestelle schwer erreichbar sind.
Prüfen Sie vor der Zusage den Mietvertrag und den Weg von der Straße bis zur Wohnung. Ein Aufzug allein macht das Haus nicht barrierefrei. Auch die Bezeichnung „altersgerecht“ sagt wenig darüber aus, ob Räume und Zugänge zu Ihren Bedürfnissen passen.
Gesamtkosten statt Kaltmiete
Die Nettokaltmiete, also die Miete ohne Betriebs- und Heizkosten, ist nur ein Teil der monatlichen Kosten. Rechnen Sie kalte Betriebskosten, Heizung und Warmwasser dazu. Fragen Sie außerdem, ob Strom separat bezahlt wird und ob für Service, Betreuung oder Pflege weitere Kosten anfallen. Auch eine spätere Nachzahlung gehört in die finanzielle Planung.
Die Mieten in Wohnungsanzeigen unterscheiden sich stark von Ort zu Ort. Für 2025 weist der Deutschlandatlas für unmöblierte Bestandswohnungen, die zur Wiedervermietung angeboten wurden, bundesweit eine durchschnittliche Nettokaltmiete von 11,11 Euro pro Quadratmeter aus. Die geschätzte Miete im gesamten Wohnungsbestand lag bei rund 7,76 Euro. In den 14 größten Städten betrug der Angebotsdurchschnitt 14 Euro pro Quadratmeter. Das sind Mittelwerte und keine verlässliche Vorhersage für eine bestimmte Wohnung. Nebenkosten kommen hinzu.
Günstigere Wohnungen stehen nicht immer in öffentlichen Anzeigen. Kommunale Wohnungsunternehmen und Genossenschaften vergeben einen Teil ihrer Wohnungen über eigene Interessenten- oder Wartelisten. Fragen Sie deshalb auch dort nach, selbst wenn online gerade kein passendes Angebot erscheint.
Nebenkosten im Mietvertrag prüfen
Lassen Sie sich erklären, welche Kosten in der Vorauszahlung enthalten sind und welche Sie selbst bezahlen. Bei einer Vorauszahlung rechnet die Vermieterseite üblicherweise einmal im Jahr ab; bei einer Betriebskostenpauschale gibt es keine jährliche Abrechnung nach den tatsächlichen Kosten. Im Mietvertrag muss stehen, welche Betriebskosten die Vermieterseite Ihnen berechnen darf. Verwaltungs-, Reparatur- und Instandhaltungskosten zählen nicht einfach zu den laufenden Betriebskosten.
Bitten Sie bei einer Besichtigung um Angaben zu den bisherigen Heiz- und Betriebskosten. Prüfen Sie im Vertrag, ob Heizung und Warmwasser enthalten sind, wie die Kosten abgerechnet werden und ob verpflichtende Zusatzverträge bestehen. Prüfen Sie bei einer hohen Nachzahlung, für welchen Zeitraum abgerechnet wurde, wie hoch die Gesamtkosten sind, wie sie auf die Mietparteien verteilt wurden und welche Vorauszahlungen Sie bereits geleistet haben.
Lage im Alltag prüfen
Prüfen Sie, wie gut die Lage zu Ihren regelmäßigen Wegen passt. Gehen Sie von der Wohnung zu einem Lebensmittelgeschäft und zur nächsten Haltestelle. Prüfen Sie außerdem, wie Sie zu einer Arztpraxis und einer Apotheke kommen. Achten Sie auf allen Wegen darauf, ob sie eben und gut beleuchtet sind und keine größeren Hindernisse haben. Denken Sie auch daran, wie Sie wichtige Besorgungen erledigen, falls Sie nicht mehr selbst Auto fahren.
Eine Wohnung am Stadtrand oder auf dem Land kann günstiger sein. Wenn Busse selten fahren oder wichtige Anlaufstellen weit entfernt liegen, kostet der Alltag mehr Zeit und möglicherweise zusätzliches Fahrgeld. Beziehen Sie außerdem Angehörige, Nachbarn und soziale Kontakte in die Entscheidung ein. Ein vertrautes Umfeld kann im Alltag eine wichtige Unterstützung sein.
Aufzug und Wohnung testen
Besichtigen Sie den gesamten Weg vom Gehweg bis zur Wohnung. Achten Sie darauf, ob vor dem Aufzug Stufen liegen und ob die Kabine groß genug für Ihren Rollator oder eine andere Gehhilfe ist. Prüfen Sie auch Türbreiten, Schwellen und den Platz, den Sie zum Bewegen brauchen. Im Bad kommt es darauf an, ob Dusche und Waschbecken sicher erreichbar sind und genügend Platz für die eigene Beweglichkeit bleibt.
Gehen Sie bei der Besichtigung diese Punkte durch:
- Ist der Hauseingang stufenlos erreichbar?
- Erreicht der Aufzug die Wohnungsebene, und passt die eigene Gehhilfe hinein?
- Gibt es Schwellen oder enge Türen auf dem Weg zur Wohnung?
- Sind Bad, Küche und Flure mit den eigenen Hilfsmitteln nutzbar?
- Liegen Einkauf und Haltestelle auf einem gut begehbaren Weg?
Wörter wie „barrierearm“, „seniorengerecht“ oder „altersgerecht“ garantieren keine bestimmte Ausstattung. Selbst eine als barrierefrei beschriebene Wohnung kann am Eingang Stufen haben oder über einen zu kleinen Aufzug erreichbar sein. Lassen Sie sich konkrete Eigenschaften zeigen und, wenn sie für Ihre Entscheidung wichtig sind, schriftlich bestätigen.
Wohngeld und Wohnberechtigungsschein prüfen
Wohngeld ist ein Zuschuss zur Miete. Auch Rentnerinnen und Rentner können einen Anspruch haben. Ob und wie viel Wohngeld Sie bekommen können, hängt unter anderem vom Einkommen, der Zahl der Haushaltsmitglieder und der Miete ab, die bei der Berechnung zählt. Eine erste Orientierung bietet ein Rechner des Bundes; den Antrag stellen Sie bei der örtlichen Wohngeldbehörde.
Ein Wohnberechtigungsschein, kurz WBS, ermöglicht den Zugang zu bestimmten geförderten Wohnungen. Die Einkommensgrenzen und das Verfahren unterscheiden sich je nach Bundesland. Fragen Sie beim Wohnungsamt oder der zuständigen kommunalen Stelle nach den Voraussetzungen, benötigten Unterlagen und örtlichen Wartelisten.
Wohnformen miteinander vergleichen
Eine Senioren-WG bietet meist ein eigenes Zimmer und gemeinsam genutzte Räume wie Küche und Bad. Das Zusammenleben kann soziale Kontakte und gegenseitige Hilfe erleichtern. Gleichzeitig teilen die Bewohnerinnen und Bewohner Alltag und Privaträume. Klären Sie vor dem Einzug, ob alle einen gemeinsamen Mietvertrag unterschreiben oder einzelne Verträge haben. Vereinbaren Sie auch, wie Miete, Nebenkosten, Haushaltsaufgaben und gemeinsame Räume geregelt sind.
Eine Pflege-WG ist anders organisiert als eine gewöhnliche Senioren-WG. Dort kann eine gemeinschaftlich beauftragte Präsenzkraft, also eine Betreuungskraft vor Ort, die Bewohner unterstützen. Pflegeleistungen werden je nach Bedarf gesondert geregelt. Vergleichen Sie deshalb Miete und Nebenkosten jeweils separat. Stellen Sie auch die Kosten für die Präsenzkraft und die Pflegeleistungen getrennt gegenüber. Die Bezeichnung allein sagt nicht, welche Versorgung im Preis enthalten ist.
Beim Service-Wohnen gibt es meist eine eigene Wohnung und zusätzliche Angebote. Dafür können neben der Miete eine Grundpauschale und Kosten für weitere Leistungen anfallen. Die Verbraucherzentrale nennt für einfache Grundleistungen häufig 100 bis 150 Euro im Monat als Richtwert. Das ist kein Festpreis: Entscheidend ist, welche Leistungen der Vertrag tatsächlich umfasst und was extra kostet.
Auch gemeinschaftliche Wohnprojekte oder „Wohnen für Hilfe“ kommen infrage. Dabei wohnt beispielsweise eine studierende Person günstiger und unterstützt im Gegenzug im Alltag. Solche Angebote hängen stark vom Wohnort ab. Klären Sie vorab, welche Hilfe vereinbart ist und welche Aufgaben nicht übernommen werden.
Die bisherige Wohnung anpassen
Ein Umzug ist nicht immer die einzige Möglichkeit. Handläufe, Haltegriffe oder Bewegungsmelder können den Alltag in der bisherigen Wohnung erleichtern. Bei baulichen Veränderungen sollten Mieterinnen und Mieter vorher mit der Vermieterin oder dem Vermieter sprechen. Je nach Umbau sind Zustimmung, Kosten und ein möglicher Rückbau zu klären. Eine Wohnberatung kann dabei helfen, den Bedarf einzuschätzen und passende Maßnahmen zu finden.
Ob ein Umbau günstiger ist als ein Umzug, hängt von der Wohnung und den persönlichen Bedürfnissen ab. Vergleichen Sie die voraussichtlichen Umbaukosten mit den laufenden Kosten einer neuen Wohnung, einschließlich Nebenkosten und möglicher Serviceleistungen.